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Presseartikel

erschienen in: Stuttgarter Nachrichten am 23.07.2001

Schulen ans Netz – und dann?

Ein Computer im Klassenraum ist noch kein Garant für besseren Unterricht. Zwar hat der Markt eine Fülle von Lernprogrammen hervorgebracht, doch die haben einen entscheidenden haken: "Bisherige Lernsoftware ist in der Regel in sich abgeschlossen. Wenn Lehrer nach wie vor mit dem Fotokopierer arbeiten, liegt das daran, dass sie ihre Materialien individuell zusammenstellen wollen", erklärt Reinhard Bayer vom Landesinstitut für Erziehung und Unterricht (LEU) in Stuttgart.

Mit der interaktiven Datenbank Lokando soll sich das ändern. Vor zwei Jahren hat das LEU das bundesweit einmalige Projekt in Auftrag gegeben, gerade wurde die erste Auslieferung der maßgeschneiderten Software an alle weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg abgeschlossen. "Erst dachte ich, was hat unser Lehrer da wieder angeschleppt, aber dann sah ich, dass mehr dahintersteckt", schildert Dominik Kandziora seinen ersten Eindruck von dem Programm, dessen Benutzeroberfläche bewusst einfach gestaltet ist. Dominik hat in einer Projektgruppe am technischen Gymnasium in Tübingen erste Erfahrungen mit Lokando gesammelt. So lassen sich Referate als multimediale Präsentationen gestalten, an die Wand projizieren und auf CD brennen.

Als Fundus für die Recherche dienen Themenbanken. Das sind Sammlungen von Texten, Bildern, Tönen und Filmclips, die das LEU den Schulen in Form von fertigen Paketen anbietet. Die Themenbanken können mit eigenem Stoff ergänzt werden. "So lassen sich Materialsammlungen, die in der Regel irgendwo auf dem Rechner herumliegen, systematisieren und der Zugriff darauf vereinfachen", erläutert Gerd Hennig, der Lokando mitentwickelt hat und in Tübingen unterrichtet. Auch Ergebnisse einer Internetrecherche können in die Datenbank aufgenommen werden. Zu den Aufgaben der eigens gegründeten LOKANDO AG gehört es, in Zusammenarbeit mit Verlagen weitere Themenbanken zu entwickeln. Später einmal, so die Vision des LEU, sollen alle Schulen über ein Netzwerk gemeinsam auf dieses ständig wachsende Archiv zurückgreifen und es ergänzen können.

In der Praxis sind freilich noch einige Hürden zu überwinden. "Die Resonanz der Lehrer ist zunächst sehr zurückhaltend", berichtet Hennig. "Sobald sie aber die Möglichkeiten der Software und den einfach zu bedienenden Präsentationseditor selbst erlebt haben, sind die meisten begeistert." Die Schüler hätten ohnehin keine Berührungsängste mit der neuen Technik. Ihnen bereiteten eher die Anforderung Probleme, die da Programm an ihre Arbeitsweise stellt: "Lokando fordert systematisches Vorgehen. Die Schüler müssen Kurzbeschreibungen ihrer Materialien liefern und sie in die Datenbank einordnen. Dadurch lernen sie Informationsbewertung, Sortierung und Begriffsbildung", erklärt Hennig. Wie die Schüler damit umgehen werden, muss sich noch zeigen.

Joachim Vögele

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