Wie erklärt man ein tanzendes Sinneshärchen in Gebärdensprache?
Claudia Weber ist Lehrerin an einer 7. Klasse Realschule an der Bayerischen Landesschule für Gehörlose in München. Die Möglichkeiten für den Unterricht, die neue Medien bieten, wissen sie und ihre Kollegen sehr zu schätzen.
Neue Chancen durch Neue Medien
Claudia Weber hebt die Perspektiven hervor, die virtuelle Kommunikationsmöglichkeiten dem Unterricht für Gehörlose eröffnen: Kindern, denen der auditive Lernkanal fehle, böten sich durch die vielfältigen Visualisierungsmöglichkeiten neue Chancen. Nicht nur, weil gutes digitales Unterrichtsmaterial den Unterricht bereichert, sondern auch weil gerade für Gehörlose animierte Grafiken, Filme oder Text-Bild-Kombinationen eine höhere pädagogische Qualität besitzen.
Für den Lehrer vereinfachen der PC und ein entsprechendes Medienangebot die Unterrichtsvorbereitung, den Schülern wird er so selbstverständlich wie ein Schulbuch.
Der Computer ist dabei nicht nur übungsmedium, der dank hoher Motivationskraft Schülerinnen und Schüler zu gezieltem üben mit hoher Wiederholungszahl führt, er kann sogar zum Lernpartner werden. Ausgesuchte Angebote an Lernmodulen und Multimedia ermöglichen Schülern mit einer Behinderung selbstgesteuerte Lernerfahrungen.
Mit der Mediensammlung „Ohr, Hören und Schwerhörigkeit“ wird Material zur Verfügung gestellt, das den Einsatz von Medien im Unterricht ermöglicht. Mit rund 550 Einzelmedien (Sachinformationen, Grafiken, Animationen, Hörbeispiele, Arbeitsblätter etc.) deckt sie Themen wie „So hören wir“, Lärmprävention oder „Meine 5 Sinne“ ab. Zusätzlich gibt es vorbereitete Unterrichtsmodule.
Die Themenbank ist allerdings kein spezielles Angebot für Gehörlose, sondern wurde für alle allgemein bildenden Schulen mit Schwerpunkt auf Visualisierung und interaktiven Lerneinheiten konzipiert. Und die bieten sich für den Einsatz an der Gehörlosenschule natürlich geradezu an!
Ablauf der Unterrichtsstunde
Der Einstieg in das Thema „Unsere 5 Sinne“ erfolgte in einem Unterrichtsgespräch.
Die Besonderheit: in der Gebärdensprache gibt es keine einheitliche Darstellungsweise für „Sinn“ bzw. „Sinnesorgane“. Jeder Sinn wird stattdessen wie das Sinnesorgan gebärdet, also für den Hörsinn das Hören, für den Sehsinn das Sehen usw.
Mit Hilfe von Medien aus der Themenbank wird auf die Funktion der Sinne eingegangen. Die Präsentation „Unsere 5 Sinne“ zeigt, wie unsere Sinne zum Fenster zur Welt werden. Es werden die einzelnen Funktionen beschrieben und was die Sinnesorgane leisten.

Einführendes Unterrichtsgespräch
Die vorbereiteten interaktiven Tafelbilder der Präsentation helfen im Unterrichtsgespräch:
- Zuklickbare Textfelder fassen zusammen
- Texte und Fotos ergänzen sich
- Interaktive Grafiken und Animationen visualisieren komplexe Sachverhalte
Deutlich wird das z. B. beim Thema Außenohr: Wie sammelt die Ohrmuschel den Schall? Was passiert dann mit dem Schall im Ohr? Wie „tanzt“ ein Sinneshärchen in der Schnecke zur Musik? Dies könnte nie so gut mit Gebärden erklärt werden, wie es der animierte Film und die Animationen visualisieren!

Sinnesorgan Nase: In der vorbereiteten Präsentation wird auf die wichtigsten Aspekte eingegangen.

Animation, die in einer Kombination aus Film und Text
zeigt, wie die Sinneshärchen sich in der Schnecke bewegen.
Einsatz eines interaktiven Whiteboards
Von Vorteil ist ein interaktives Whiteboard. Mit einem Beamer wird das Computerbild für alle Schüler sichtbar projiziert und kann interaktiv bedient werden:
Die Lehrkraft kann ergänzende Informationen auf das interaktive Board notieren, Schüler können Grafiken beschriften usw. Natürlich ist auch alles speicherbar!

Lehrerin macht zusätzliche Notizen am Board.

Schülerin bearbeitet eine interaktive Aufgabe am Board.
Sicherung des Gelernten
Zur Sicherung des Gelernten und Wiederholung des Themas nutzen die Schüler zum Teil PCs oder Notebooks: Die SchülerInnen können selbst noch einmal die Präsentation durchgehen, Zusatzinfos einsehen oder weiterführende Internetseiten besuchen, die als Links in der Themenbank enthalten sind.

Zwei Schülerinnen arbeiten sich durch ein
Unterrichtsmodul
und kommunizieren dabei
über die Gebärdensprache.
Aber auch das interaktive Whiteboard wird genutzt, um z. B. interaktive Aufgaben und Arbeitsblätter zu bearbeiten.

Ansicht eines interaktiven Arbeitsblattes, bei dem mit
Drag und Drop die Textfelder in die richtigen Kästchen
gezogen werden müssen.
Und natürlich kommen auch ganz klassisch kopierte Arbeitsblätter zum Einsatz, die jeder Schüler eigenständig bearbeitet.

Schüler bearbeiten die ausgedruckten Arbeitsblätter.
| Weiteres Material |
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Video Unterrichtssituation (WMV9-Video, 33 Sek., 1,1 MByte) |
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